Pünktlich um 09:15 landen wir in Marseille, schnappen unsere Taschen vom Band und finden auch den Europcar-Schalter. Die Spannung steigt: auf Platz 77 soll er stehen – und wow, ein nagelneuer Renault Symbios SUV mit Automatic, Rückfahrkamera und allem, was Freude am Fahren verspricht, ist für die nächsten 17 Tage unser.
Unser erstes Ziel ist Les Baux, die größte Burgruine der Provence, auf und in den Felsen gebaut. Die Comtes des Baux beherrschten einst 78 umliegende Dörfer. (Nicht weil sie so schön waren, sondern weil sie Kraft aus ihrer biblischen Abstammung von König Balthasar, provencalisch Bauthezar, schöpften.) Die berüchtigte Touristenfalle präsentiert sich in der Vorsaison noch ohne Besuchermassen, die Souvenirshops im Dorf sind aber schon geöffnet und die Wirte noch freundlich. Der Rundblick von Marseille bis Avignon ist die vielen Stufen jedenfalls Wert.
Next stop: St. Remy de Provence. Am Ortseingang begrüßen uns die “Antiken”, ein römisches Mausoleum und ein Triumphbogen. Entgegen der Darstellung auf der Homepage ist auch die Ausgrabung von Glanum heute geöffnet. Bis ins 6. Jahrhundert v. Chr. reicht die Besiedlung dieses Ortes zurück. Schätzungsweise 1/10 des ursprünglichen Oppidums wurden bisher freigelegt, Säulen, Thermen und Tempel, wie es sich für antike Stätten gehört. Die Heraklesstatue, einst von den siegreichen Legionen gestiftet, hat man leider ins Museum verschleppt.
Noch zu Zeiten Vincent van Gogh’s war von den alten Steinen nichts zu sehen. Den dort befindlichen Olivenhain hielt er in seinen Landschaftsbildern fest. Nachdem das Genie dem Wahnsinn anheim gefallen war und er sich ein Ohr abgeschnitten hatte, wies er sich selbst in die Irrenanstalt im nicht weit entfernten Kloster St. Paul de Mausole ein. Dort entstanden auch viele seiner Bilder. Sein Zimmer ist heute noch zu besichtigen. Ein Einzelzimmer wohlgemerkt, während die misera Plebs in Schlafsälen untergebracht war. Aufatmend verlassen wir die morbiden Anstaltsräumlichkeiten.
Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir unser heutiges Etappenziel: Villeneuve d’Avignon (Avignon Neustadt sozusagen). Eine entzückende Hauswirtin, ein gemütliches Apartment, ein Garten mit Swimmingpool und ein sicherer Parkplatz für unser Bonzomobil begrüßen uns.
Erst 16000 Schritte! Das müssen wir ändern und gehen abends noch nach Avignon, Pont und Papstpalast inklusive, aber nur noch von außen.

  1. Ronald
    Mai 19, 2026

    Jawoll, ein wirklich guter Anfang!

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