Sag niemals nie! Ich überwinde tatsächlich meine Feigheit und stürze mich ins Abenteuer. Der Kanuverleih ist gleich gegenüber. Dementsprechend bleibt wenig Zeit, es sich noch anders zu überlegen. Jause und Handtuch in die Tonne und los geht’s den Tarn hinunter. Angeblich ja ganz easy – für ein Wildwasser;-)
Die Kommandos meines Kapitäns kommen etwas legasthenisch, außerdem ist das Kanu zwar recht stabil, aber auch schwerfällig zu manövrieren. Zumindest vom Damensitz aus fühlt es sich an, als hätte ich einen Treibanker draußen.
Nach den ersten Schnellen wächst das Selbstvertrauen und ich beginne die grandiose Felskulisse der Schlucht zu genießen.
Die Wassertemperatur ist wärmer als gedacht, und wir gehen baden – freiwillig! Während wir uns auf der Schotterbank zum Trocknen niederlassen, kreisen über uns – diesmal tatsächlich – die Geier. In den 80igern wurden im Naturpark Cevennen Gänse- und Mönchsgeier erfolgreich wieder angesiedelt. Wir zählen bis zu 12 Tiere auf einmal in der Luft.
An den unpassierbaren Kaskaden von Soucy heißt es aussteigen und bei einem frisch gezapften Bierchen auf den Shuttlebus warten.
Ein Abendspaziergang durchs Dorf führt uns an der alten Mühle und den Troglodytenhäusern vorbei bis zur Kirche aus dem 11. Jahrhundert. Alte Fotos aus dem Dorf zeigen, wie vor dem Bau der Straße im Fluss mit Plättenverbänden getreidelt wurde. Unglaublich auch, dass bis zum Bau der Brücke 1905 auch das Vieh, das zur Sommerweide auf die Causse Mejean getrieben wurde, mit diesen Plätten übergesetzt werden musste.
Zum Abendesse gibt’s heute Wildschweinpastete – fehlt nur noch der Zaubertrank!
War es bei mir im letzten Jahr der tägliche Wasserfall, ist es bei euch die tägliche Burg 😀. Ich freue mich jeden Tag auf die Berichte und die Fotos. Wünsche weiterhin einen tollen Urlaub!
LG Ronald